Auftaktveranstaltung I in Geslau

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| Auftaktveranstaltung I in Geslau

Der Startschuss für die Bewerbung der Region „An der Romantischen Straße“ um das europäische LEADER-Förderprogramm 2014 bis 2020 ist gefallen. Über 180 bzw. über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 29. Oktober in der Schulsporthalle Geslau und einen Tag später in der Frankenlandhalle in Schnelldorf zu zwei Auftaktveranstaltungen zusammen, um sich über das Förderinstrument zur Entwicklung ländlicher Regionen zu informieren und aktiv an der Erarbeitung des Bewerbungskonzeptes der Region mitzuarbeiten. Denn es gilt nun in Rekordzeit eine LEADER-Bewerbung für die 19 Städte und Gemeinden Adelshofen, Buch a.W., Colmberg, Diebach, Dinkelsbühl, Feuchtwangen, Gebsattel, Geslau, Insingen, Neusitz, Ohrenbach, Rothenburg o.d.T., Schillingsfürst, Schnelldorf, Schopfloch, Steinsfeld, Wettringen, Windelsbach und Wörnitz aus dem mittelfränkischen Landkreis Ansbach auf die Beine zu stellen. Bereits Ende November muss die Bewerbung beim Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten abgegeben sein.


Die Fränkische Landeszeitung berichtete:


“Das waren zwei tolle Auftakte“, bilanzierte Herbert Lindörfer im Namen der 19 Bürgermeister und freute sich über die gute Beteiligung, „dass sich so viele aktive Bürgerinnen und Bürger auf den Weg machen und gemeindeübergreifend das LEADER-Konzept erarbeiten“. Im Hinblick auf die nächsten Wochen rief er alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Chancen zu nutzen und bei der Erarbeitung des LEADER-Konzeptes aktiv mitzuwirken: „Bringen Sie Ihre guten Ideen ein, damit wir unsere Region stärken und nach vorne bringen können.“ Unterstützung gab es vom stellvertretenden Landrat Kurt Unger, der einschätzte, dass sich die Region bereits auf einem guten Weg befinde. „Machen Sie weiter so!“ rief der LEADER-Manager von Mittelfranken, Ekkehard Eisenhut, den Anwesenden ergänzend zu.

Frau Lilienbecker informierte auch über Hintergründe zum Förderinstrument, das seit Beginn der 90-er Jahre von der Europäischen Union und dem Freistaat Bayern eingesetzt wird, um modellhafte und innovative Projekte zu unterstützen. Sie machte deutlich, dass LEADER thematisch breit aufgestellt ist und in den Bereichen Kultur, Soziales, Tourismus, Landwirtschaft oder Umwelt zum Einsatz kommen kann. Neben der finanziellen Unterstützung, die bei 50 Prozent liegt, rät sie jedoch dazu, LEADER als Entwicklungschance für die Region zu begreifen, wo die Menschen und Ressourcen aktiviert werden. Kaum ein anderes Förderprogramm binde die Menschen mehr ein und lade zum Mitmachen und Mitgestalten in der eigenen Gemeinde und Region ein, unterstrich Frau Lilienbecker die Ausführungen. So könnten “neue Sachen” entstehen und die Lebensqualität insgesamt verbessert werden. Das Besondere an LEADER sei eben der regionale und individuelle Bezug, deshalb müssen eine passende Strategie und die richtigen Ziele für die Region gefunden und dann konsequent verfolgt werden, hob sie weiter hervor.

Beide Veranstaltungen wurden gleich für eine Diskussion der Stärken und Schwächen bestimmter Themen genutzt, die für die Region wichtig sind und von den Moderatoren an großen Pinnwänden festgehalten wurden. Im Bereich „Natur und Umwelt“ wurden die Kulturlandschaft, das „Liebliche Taubertal“, der Naturpark und Landschaftspflegeverband sowie seltene Tiere als positive Faktoren hervorgehoben. Außerdem zeichne sich die Region durch einen hohen Anteil erneuerbarer Energie aus, wurde ergänzt und auf die Photovoltaik- und Biogasanlagen verwiesen, die ein wichtiges zweites Standbein für viele landwirtschaftliche Betriebe darstellen. Diese sei jedoch insgesamt kleinstrukturiert und aufgrund einer fehlenden Hofnachfolge bestehe die Gefahr, dass die bäuerliche Landwirtschaft verschwinde, wurde angemahnt. Um die regionalen Vermarktungsstrukturen zu stärken wurde eine Erzeugergemeinschaft bzw. bäuerliche Erzeugerböse vorgeschlagen und gewünscht, den Anteil der Bio-Landwirtschaft zu steigern. Probleme gebe es im Raum Taubertal mit der Verbuschung von Flächen an Hanglagen. Um den Erhalt von Streuobst und alter Ostsorten kümmert sich zum Beispiel die Gemeinschaftsmosterei „Unser Safthaisle“ in Schnelldorf und Umgebung. In der Diskussion wurde Potential für solch eine Mosterei im nördlichen Bereich gesehen und dass es notwendig sei, mehr Engagierte für die Pflege der Obstbäume zu finden.

Ein weiterer Diskussionspunkt war der „demographische Wandel“ und der „soziale Bereich“. Negativ fallen hier die Leerstände in einigen Ortskerne ins Gewicht, weswegen Impulse zur Innenentwicklung und zum Erhalt der Infrastruktur angestoßen werden müssen, wie etwa vor kurzem in Neusitz geschehen, wurde erläutert. Weitere Stärken sind für die Teilnehmer das aktive Vereinsleben, das ehrenamtliche Engagement sowie dass die sozialen Strukturen noch in Ordnung sind. Jedoch gebe es auch hier keine „heile Welt“, denn viele ältere Menschen lebten alleine und junge Menschen ziehen weg, um in den Großstädten Arbeit zu finden, wurde gesagt. Als Ziel sollen deshalb neue Formen des Zusammenkommens entwickelt, Ehrenamtliche unterstützt und verstärkte Angebote aufgebaut werden, mit denen die Älteren so lange wie möglich selbstbestimmt zu Hause und im Heimatort wohnen bleiben können. Wichtige Einrichtungen in diesem Bereich sind beispielsweise das dezentrale Angebot der Diakoniestationen, das neue Pflegeheim in Schnelldorf oder der Generationentreff in Colmberg. Als zukünftiger Entwicklungsansatz wurde angeregt, eine Tagespflege in Kooperation mit der Diakonie aufzubauen, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten. Auch Wohngruppen, eine Vernetzung der Selbsthilfegruppen und eine flächendeckende Organisation der Nachbarschaftshilfe wird als sinnvoll angesehen. Ebenso wurden die Themen Barrierefreiheit, die den historischen Orten besonders schwierig umzusetzen ist, die Integration von Behinderten und Demenzkranken sowie von Flüchtlingen aufgegriffen.

Ein weiter wichtiger Punkt war die „Mobilität“, die ein grundlegender Faktor für die Lebensqualität jedes einzelnen darstellt und ein entscheidender Zukunftsfaktor für eine ländliche Region ist. Die gute Anbindung über die Autobahn steht hier den Problemen im ÖPNV-System gegenüber. Insbesondere die Frequenz der Linien und eine Nachmittagslinie für Schüler, aber auch ein Bahnanschluss nach 23 Uhr fehlen, um auch mal eine kulturelles Ereignis besuchen zu können.

Als wichtiger Standortfaktor wurde von den Diskussionsteilnehmern das Kulturangebot identifiziert und die Theater, einige Galerien, die Musikschulen, die Kirchweih, der Almabtrieb in Gailroth sowie die historische Bausubstanz hervorgehoben. Ideen für erste Projekte könnten in einer gemeinsamen Vermarktung der Theater – die Installierung eines Theaterhauses in Rothenburg lautet hier der konkrete Vorschlag – und in einer Vernetzung der historischen Mühlen liegen, die sich zu einem roten Faden durch die gesamte Region verbinden ließen, wurde vorgeschlagen. Spannend scheint auch der Projektvorschlag aus Schopfloch, die ehemalige Judenschule als Informationszentrum und Geschichtswerkstatt auszubauen. Auch ein Überblick zur Regionalgeschichte, der über eine Vernetzung der Geschichtsinteressierten erreicht werden kann, wäre nach Meinung der Anwesenden sinnvoll. Ebenso ein gemeinsamer Veranstaltungskalender, denn in der Region erscheinen mehrere Lokalteile der Tageszeitung, die aber nicht ausgetauscht werden und und so zu Informationsgrenzen innerhalb der Region führen. Evtl. könnte hier die Region selber über Internet oder andere Medien aktiv werden.

Punkten kann die Region auch im „Tourismus“ und in der „Gastronomie“, weil es entlang der Romantischen Straße „touristische Knaller“ gebe, wurde eingeschätzt. Auch sei die Essensqualität hier überdurchschnittlich und die Ferien auf dem Bauernhof spielen eine größere Rolle, wurde ergänzt. Weil jedoch in manchem Dorf die Wirtschaft bereits fehlt, wurde als Ziel die Stärkung der Dorfwirtschaften aufgenommen. Deutlich benannt wurden die Probleme bei der Zusammenarbeit der touristischen Anbieter. Vor allem den Hotels fehlen Inhalte bzw. Angebote aus der Region, die eine Vermarktung möglich machen und die Gäste anregen, länger als nur eine Nacht zu bleiben, lautete das Argument. Um dieses Problem angehen zu können, wurde im Nachgang ein „Tourismus-Gipfel“ vorgeschlagen, zu dem die Touristiker von den Bürgermeistern eingeladen werden, um konkrete Kooperationen untereinander zu vereinbaren und die Angebote miteinander zu vernetzen. Zukünftige Chancen werden in Kombi-Angeboten, einem gemeinsamen Internetauftritt und der Profilierung als Weihnachtsland mit dem Ausgangspunkt Rothenburg gesehen. Hier gibt es auch bereits eine Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden. In den nächsten Jahren steht der stückweise Ausbau der Radwege an, auch eine Klassifizierung der Fernradwege und die Kombination mit gastronomischen Angeboten sei in diesem Bereich wichtig. Teilweise ist Beschilderung bei den Wander- und Spazierwegen veraltet und bei der Bevölkerung manches nicht bewusst bzw. bekannt, was es alles touristisch geboten werde, wurde angeführt. Ein letzter Themenbereich war „Wirtschaft und Handwerk“, wo als Stärken der gute Branchen- und Betriebsgrößenmix und neben der Industrie die mittelständischen Handwerksbetriebe mit guter Auftragslage hervorgehoben wurden. Um den Fachkräftemangel begegnen zu können, wurde vorgeschlagen, eine Initiative zu gründen, mit der bereits von klein auf damit begonnen werden kann, die Frage „Was will ich werden?“ zu klären und Kontakte zu den regionalen Betrieben herzustellen, was auch für die Eltern Bedeutung habe. Konkret soll dazu eine Ferienprogramm in den Betrieben organisiert und die Info-Messe Beruf, die in Wörnitz stattfindet, auf weitere Standorte ausgeweitet werden. Weitere Chancen der Region können in den grünen Berufen, einer Unterstützung der Schulpaten und in einer Wertschätzung der „einfachen“ Berufen liegen. Um die Handwerksbetriebe zu unterstützen und vor allem die alte Handwerkskunst zu erhalten, die für Sanierung der bereits erwähnten historischen Bausubstanz der Orte Bedeutung hat, wurde abschließend als Projektvorschlag das „Land der Handwerker“ eingebracht. Damit sind Schauvorführungen und Besichtigungen alter Handwerksbetriebe für Schulklassen und Gäste gemeint.

Am Schluss durfte jeder Teilnehmer noch seine “Herzensangelegenheit” dem Büro Lilienbecker mit auf den Weg geben, die gesammelt und dokumentiert wurden. Von “Verbesserung der Lebensqualität für alle“, „schnelleres Internet“, „Gemeinschaftseinrichtungen und Dörfläden“ bis hin zu „Hochwasserschutz an der Tauber und „Verbesserung der Mobilität“ reichten die Hinweise.